Gabriele Münter
Neujahrswunsch 1909
1908
Farbholzschnitt in Blau, Grün, Rot, Gelb, Dunkelblau und Braun, im Blumentopf handkoloriert, auf transparentem Japan
8,4 x 11,9 cm
Eines von 30 (Hohberg bekannten) Exemplaren in unterschiedlicher Farbgebung, davon befinden sich zwei in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus/Gabriele Münter Stiftung, München. Es existieren zwei Varianten dieser Graphik, eine mit Jahreszahl und Monogramm im Blumentopf und eine nicht monogramierte, jedoch im Blumentopf handkolorierte. Unser Exemplar gehört zur letztgenannten Version (im WVZ Nr. 37.2).
Gabriele Münters druckgraphisches Werk, das überwiegend aus Holz- und Linolschnitten besteht, besticht durch seinen ausdrucksstarken und experimentellen Charakter. In den Jahren 1909-13 fertigt Münter Neujahrswünsche mit verschiedenen Motiven an, die sie an Bekannte und Freunde versendet. Unser schöner Farbholzschnitt verdeutlicht Münters Raffinesse, den spielerischen Umgang mit den graphischen Techniken sowie motivisch einen Hang zum Humoristischen und Spielerischen. Angeregt durch ihren damaligen Lebensgefährten Wassily Kandinsky entwickelt auch Münter eine Begeisterung für die Erzeugnisse der Volkskunst. Ihre Sammlung aus Hinterglasbildern, Heiligenfiguren und Spielzeug aus dem Erzgebirge, die sie u.a. in Murnau auf Konsolen, Schränkchen und Tischen arrangiert, integriert sie in ihre Stillleben – und offensichtlich auch in die Motive ihrer Graphik. Den ulkigen Vogel in knallbuntem Frack, einem Pinguin ähnlich, der vor einem Blumentopf und einem Kuchen steht, notiert Münter im Herbst 1908 in einem Skizzenbuch. Die Künstlerin zollt damit nicht nur einfachen Gegenständen Respekt, sondern räumt ihnen die gleiche Bedeutung wie der „hohen Kunst“ ein – eine der zentralen Forderungen der neuen Künstlergemeinschaft „Blauer Reiter“ zu der sie ab 1911 gehören wird.
Gabriele Münter
Neujahrswunsch 1911
1910
Farbholzschnitt in Blau, Grün, Rot, Gelb und Braun auf festem Japan
11 x 19,5 cm
Eines von 65 (Hohberg bekannten) Exemplaren in unterschiedlicher Farbgebung, davon sind zwei im Lenbachhaus, München.
Gabriele Münters druckgraphisches Werk, das überwiegend aus Holz- und Linolschnitten besteht, besticht durch seinen ausdrucksstarken und experimentellen Charakter. In den Jahren 1909-13 fertigt Münter Neujahrswünsche mit verschiedenen Motiven an, die sie an Bekannte und Freunde versendet. Unser schöner Farbholzschnitt verdeutlicht Münters Raffinesse, den spielerischen Umgang mit den graphischen Techniken sowie motivisch einen Hang zum Humoristischen und Spielerischen. Angeregt durch ihren damaligen Lebensgefährten Wassily Kandinsky entwickelt auch Münter eine Begeisterung für die Erzeugnisse der Volkskunst. Ihre Sammlung aus Hinterglasbildern, Heiligen- und Spielzeugfiguren aus dem Erzgebirge, die sie u.a. in Murnau auf Konsolen, Schränkchen und Tischen arrangiert, integriert sie in ihre Stillleben und offensichtlich auch in die Motive ihrer Graphik. So sind ein Huhn aus Steingut in ihrer Sammlung sowie zwei kleine Figuren, Hahn und Henne, womöglich die Inspiration für das zentral in unser Bild. Die Künstlerin zollt damit nicht nur einfachen Gegenständen Respekt, sondern räumt ihnen die gleiche Bedeutung wie der „hohen Kunst“ ein – eine der zentralen Forderungen der neuen Künstlergemeinschaft „Blauer Reiter“ zu der sie ab 1911 gehören wird.
Daß dieses Motiv und dieser Gruß etwas Besonderes ist, und nicht zuletzt für Kandinsky eine tiefere Bedeutung trägt, zeigt sich darin, daß dieser Druck wohl der einzige ist, den Kandinsky für sich behält. Später schenkt Nina Kandinsky es aus dem Nachlaß dem "Fonds Kandinsky" des Centre George Pompidou, Paris.
Gabriele Münter
Schlafendes Kind
1907-1908
Farblinolschnitt in Hellgrün, Moosgrün, Rot, Blau, Rosa und Gelb auf feinem Japan
16,8 x 23,8 cm
Dieser Farbholzschnitt ist eine absolute Rarität. In der Städtischen Galerie im Lenbachhaus befinden sich sechs von der Münter-Stiftung 1957 geschenkte Abzüge, alle mit unterschiedlicher Farbgebung, zum Teil in Schwarz-Weiß. Ein einziges weiteres Exemplar – sehr wahrscheinlich unseres – ist dem WVZ bekannt. Zusätzlich wurde ein Exemplar 2017 auf einer Auktion angeboten (also insgesamt gibt es wohl 8 jeweils unterschiedliche Versionen dieser Graphik).
Gabriele Münters druckgraphisches Werk, das überwiegend aus Holz- und Linolschnitten besteht, besticht durch seinen ausdrucksstarken und experimentellen Charakter. Rund ein Viertel ihrer Graphiken entstehen während der Periode ihres Frühwerks bis 1908, nachdem sie Schülerin Kandinskys und gleichzeitig seine Lebensgefährtin ist. Unser Blatt zeugt von ihrer hervorragenden und gefühlvollen Bildkomposition und Linienführung. Und Münter gelingt eine meisterhafte, effektvolle wie ästhetische Farbgebung, eine Kombination aus zarten und kraftvollen Tönen. Das Sujet und die Umsetzung erinnert an die Kunst des Jugendstils und offenbart den Einfluß Kandinskys während der Pariser Jahre.
Das auf dem Bett zugedeckt liegende, blonde Mädchen samt Teddy, bewacht von einer Harlekinpuppe, ist die Nichte Gabriele Münters, Elfriede Schroeter, genannt „Friedel“. Münter hält sie bereits als Baby in zwei Holzschnitten fest. Dieses Motiv entsteht während ihres gemeinsamen Besuchs mit Kandinsky in der Berliner Wohnung ihrer Schwester 1908. Im selben Jahr setzt Münter diese Thematik mit der sog. "Spielzeug-Serie" – einer Reihe höchst origineller Farblinolschnitte mit Spielzeugfiguren Friedels – fort. Die Naivität des Motivs kombiniert Münter mit einem Gefühl für Ursprüngliches und Innerlichkeit sowie ihrem Interesse an Volkskunst.
Der Farbholzschnitt stammt aus der Sammlung Elly und Hans Konrad Roethel (deutscher Kunsthistoriker und von 1956 bis 1971 Direktor der Städtischen Galerie im Lenbachhaus) und gelangt dann in den Besitz des Sohnes Christoph, der ihn wiederum an den bedeutenden Sammler Jan Ahlers in Herford verkauft.
Gabriele Münter
Tünnes und Gesellschaft
1908
Farblinolschnitt in Schwarz, Blau, Altrosa, Hellgrün, Moosgrün, Hellbraun, Braun und Grau auf feinem Japan
17,5 x 26,1 cm
Dieser Farbholzschnitt ist eine absolute Rarität. In der Städtischen Galerie im Lenbachhaus befinden sich drei von insgesamt nur sechs bekannten Exemplaren. Eine dieser nicht im Lenbachhaus befindlichen Graphiken ist Teil in der Kunstsammlung Chemnitz – Museum Gunzenhauser, somit ist unser Abzug einer von den noch verbleibenden zwei in Privatbesitz befindlichen Exemplaren – wobei alle Linolschnitte jeweils unterschiedliche (in unserem Falle acht) Farbgebungen besitzen.
Gabriele Münters druckgraphisches Werk, das überwiegend aus Holz- und Linolschnitten besteht, besticht durch seinen ausdrucksstarken und experimentellen Charakter. Rund ein Viertel dieser Graphiken entstehen während der Periode ihres Frühwerks bis 1908, nachdem sie Schülerin Kandinskys und gleichzeitig seine Lebensgefährtin ist.
1907/08 ist Münter ein halbes Jahr zu Gast bei der Familie ihrer Schwester Emmy in Berlin. Dort entsteht die fünf Arbeiten umfassende sog. „Spielzeugserie“, in der sie sich thematisch mit der Welt der Puppen und Spielzeuge beschäftigt – angeregt durch ihre vierjährige Nichte und Patentochter Elfriede Schroeter, genannt „Friedel“. Zu dieser Reihe vielfarbiger Linolschnitte gehört auch unser origineller, transparenter und harmonischer Druck, der Münters Gefühl für Volkstümlichliches, Humor und kindliche Naivität verkörpert sowie ihre effektvolle wie ästhetische Farbgebung und gekonnte Bildkomposition. Die titelgebende Figur des „Tünnes“ (von Anton), eine legendäre Figur aus dem Kölner Puppentheater, ist an seinem Halstuch und der Knollnase erkennbar. Er ist in „Gesellschaft“ einer weiblichen Puppenfigur in volkstümlicher Tracht, einem Esel und einer Kaffeemühle. Münter verleiht diesen Gegenständen ihren ganz eigenen Charakter und eine ungeheure Lebendigkeit, so daß man meint, sie würden gleich zum Leben erweckt. Münter habe sich, so Margarethe Jochimsen im WVZ der Graphik, auf die Welt des Kindes eingelassen, "gefesselt von dessen [...] Unbekümmertheit, dessen Ernst und wunderbarer Gabe, Dinge zu beseelen. Eine stattliche Reihe origineller Spielzeug- und Kinderholzschnitte, Zeichnungen, ja ein ganzes Bilderbuch aus der Traumwelt des Kindes zeugen von diesen faszinierenden Exerzitien."
Gabriele Münter
Zinnien
1941
Öl und Eitempera auf Bütten
63 x 48,5 cm
Gabriele Münter trägt als Gründungsmitglied des „Blauen Reiters“ und Schülerin von Wassily Kandinsky wesentlich zur Entwicklung der expressiven Malerei bei, indem sie Farbe als wesentlichen Ausdrucks- und Stimmungsträger des Bildes einsetzt und dabei Formen stark vereinfacht. So hält sie zeitlebens auch zahlreiche Blumenstücke fest. Der farbintensive Zinnienstrauß in einem rustikalen Steingutkrug wirkt in seiner Schlichtheit wie frisch im eigenen Garten gepflückt. Die reduzierte Komposition lebt allein durch die Wirkung der leuchtenden Farben. Gabriele Münter äußert sich zu ihrer Malerei selbst: „Alle meine Bilder stellen Momente meines Lebens dar, flüchtige, visuelle Augenblicke, meist rasch und spontan hingeworfen. Aber Malen ist wie plötzlich in tiefes Wasser springen, und ich weiß vorher nie, ob ich werde schwimmen können.“