Junger Bär
Liegendes Fohlen (Leib)

Renée Sintenis

Junger Bär

1932
Bronze mit brauner Patina
Höhe ohne Sockel: 13,5 cm


Renée Sintenis fertigt in der Regel bis zu 25 signierte Exemplare der Kleinbronzen an, unser „Junger Bär“ ist im Gießerei-Verzeichnis von H. Noack als Serie mit mehreren, jedoch nicht streng limitierten oder durchnumerierten Exemplaren geführt. Diese ältere Fassung ist eine frühe, eigenständige Kleinbronze, die in den 1950er Jahren als Preis der Berliner Filmfestspiele dient, bevor ab 1960 die bekanntere Variante, der „Berliner Bär" (1956, WVZ-Nr. 227), in Form von Gold- und Silberversionen jährlich dutzendfach als Berlinale-Trophäe verliehen wird.

Zum Entstehungszeitpunkt dieser Plastik ist die Künstlerin auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. 1931 als erste Bildhauerin in die Preußische Akademie der Künste aufgenommen, liegt nicht nur die Berliner Kunstwelt Renée Sintenis zu Füßen. Sammler aus aller Welt erwerben ihre Plastiken und ein Jahr später, schafft sie dieses kleine Kunstwerk, auf das sie heute gerne reduziert wird. Der leicht tapsige Bär, der in der Hocke balanciert und mit seinen Tatzen rudert, ist einmal mehr ein Beweis für die große Kunst und Qualität der Bildhauerin, die ihren Tieren eine bemerkenswerte Echtheit, Vitalität und Ausstrahlung zu verleihen vermag. Neben Pferden, Hunden und Eseln und haben es ihr auch Zootiere angetan – den Bären sieht sie vermutlich im Berliner Zoo, den sie regelmäßig besucht.
In unserem Exemplar, einem Lebzeitguß, wird sehr deutlich, wie meisterhaft Sintenis das Ziselieren und Patinieren beherrscht. Die Künstlerin legt selbst Hand und erarbeitet bei ihrem „Bären“ eine wunderbar lebendige Oberfläche und zeigt trotz Naturnähe eine große künstlerische Freiheit.
Auf diesem Entwurf basiert dann der berühmte „Berliner Bär“, der als großes Bronzedenkmal u.a. am ehemaligen Grenzübergang Dreilinden in Berlin steht, oder auch im Mittelstreifen der Bundesautobahn 9 (ab 1961 nördlich der Autobahneinfahrt München-Freimann, mit der Inschrift „MÜNCHEN BERLIN“). Als freundlicher Botschafter und Symbol verbindet der Bär das damals geteilte Berlin mit West-Deutschland.

Renée Sintenis

Liegendes Fohlen (Leib)

1932
Bronze mit dunkelbrauner Patina
Höhe: 7,2 cm


In der Regel existieren von solchen Motiven schätzungsweise zwischen 10 und maximal 25 Exemplaren, die über Jahrzehnte hinweg, meist auf Bestellung von der Galerie Flechtheim, bei Noack gegossen wurden. Somit existiert keine exakt dokumentierte, finale Stückzahl (Buhlmann, der Verfasserin des WVZ sind 6 Exemplare bekannt).

Renée Sintenis, die in der tobenden Metropole wie kaum jemand den Zeitgeist der 1920er Jahre verkörpert, ist eine Meisterin der Kleinplastik. Ihre eher stille Kunst ist ganz anders als ihre schillernde Erscheinung. Ab 1915 werden kleine Bronzen von friedvollen Tieren zu ihrem künstlerischen Elixier: Rehe, Hunde, Esel und vor allem Fohlen. Für die leidenschaftliche Reiterin, die täglich Ausritte durch den Tiergarten unternimmt, sind Pferde „die schönsten Tiere der Welt“. Ein außergewöhnlich schöner Guß entsteht 1932 vom „Liegenden Fohlen“. Sintenis nennt diese Bronze "Leib" – sie ist im Zusammenhang mit dem Stehenden Fohlen "Seele" (1932, WVZ Buhlman, Nr. 144) zu sehen. Beide Bronzen gelten als Paar.

Im Gegensatz zu späteren Güssen wird bei diesem Lebzeitguß sehr deutlich, wie meisterhaft Sintenis das Ziselieren und Patinieren beherrscht. Die Künstlerin legt selbst Hand und schafft eine wunderbar lebendige Oberfläche, höchst feine Details wie die Hufe und verleiht dem Tier eine Schönheit und Ausstrahlung, die ihresgleichen sucht.

Über Renée Sintenis

Geboren: 1888 in Glatz (Schlesien)
Gestorben: 1965 in Berlin

Die Bildhauerin Renée Sintenis (eigentlich Renate Alice Sintenis) beginnt 1907 ihre künstlerische Ausbildung an der Unterrichtsanstalt des Berliner Kunstgewerbemuseums, hier sind Frauen zu dieser Zeit zum Studium zugelassen. Sie bricht die Ausbildung jedoch 1909/1910 ab. Georg Kolbe steht sie in diesen Jahren Modell, von seinem Werk sind wohl auch ihre ersten frühen Frauenfiguren künstlerisch inspiriert. Sie beteiligt sich an Ausstellungen der 1914 gegründeten „Freien Secession“, zu der auch Kolbe zählt. Mit Emil Rudolf Weiß, dem Maler und Schriftgestalter, ist sie befreundet, das Paar vermählt sich 1917. Sintenis wird als Berliner Tierbildhauerin in den 1920er Jahren bekannt, 1915 hatte sie zu ihrem Thema gefunden. 1920 nimmt sie Alfred Flechtheim unter Vertrag. Als passionierte Reitsportlerin modelliert sie immer wieder Pferde und junge Fohlen, die zu dem Reizvollsten gehören, was sie geschaffen hat. Ihre Skulpturen und Kleinplastiken weisen fein und lebendig belebte, „impressionistische“ Oberflächen aus und werden liebevoll von ihr ausgearbeitet. In den 1930er Jahren geht der öffentliche Erfolg der unter den Nationalsozialisten verfemten Künstlerin zurück, sie erhält Arbeitsverbot. 1930 war ihre expressive „Große Daphne“ entstanden. Sintenis arbeitet nach 1945 in Berlin als Professorin an der Hochschule für Bildende Künste, sie wird mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Ihr 1956 entstandener „Berliner Bär“ steht seit 1960 emblematisch für den Preis der Berliner Filmfestspiele, der „Berlinale“. Renée Sintenis ist heute eine der bekanntesten deutschen Bildhauerinnen der klassischen Moderne.

(Vita 1:1 von Lempertz)!!